An diese Stelle passte auch das mit gemessenen
7.8 auf der Richter-Skala stärkste Erdbeben in Neuseeland seit fast 180 Jahren, das uns vor kurzem heimsuchte. Zum Glück lag das Epizentrum allerdings nicht in der näheren Umgebung, sondern am südlichen Ende der Südinsel. Nichtsdestotrotz war das Beben auch bei uns noch leicht spürbar, beinahe 800km entfernt. Was einem wieder einmal zu Bewusstsein führte, dass ein solches Beben wie bereits 1831 auch in Wellington jederzeit möglich ist und verheerende Konsequenzen hätte. Damals hob sich der Boden um gut 6m an und - Glück im Unglück - schuf neues Bauland in einer aus allen Nähten platzenden Stadt. Noch heute weisen im Boden eingelassene Schilder mitten in der Stadt auf die alte Küstenlinie hin.
Nichtsdestotrotz waren wir in der Zwischenzeit auch fleißig, denn unser "Hausprojekt" vereinnahmte alle verfügbare Zeit und Energie. Wir nahmen das bereits im letzten Bericht erwähnte Grundstück genauer unter die Lupe, holten Finanzierungsangebote ein und hörten uns an, was die verschiedenen Baufirmen dafür anzubieten hatten. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Offenbar bereitete die in unseren Augen vergleichsweise recht zivile Hanglage einigen Firmen extreme Probleme, ihre "Baukasten"-Pläne dort in die Tat umzusetzen, weshalb sich sehr schnell 2 von 4 Firmen aus dem Rennen verabschiedeten. Die anderen beiden hielten es zumindest auf den ersten Blick für möglich, im Rahmen unseres Budgets dort ein halbwegs brauchbares Haus hinzustellen. Das genügte uns, um mit, bzw. über den Makler in Verhandlung zu treten und unser erstes Angebot abzugeben, immer die recht umfangreichen Kostenschätzungen für die notwendigen Erdarbeiten im Hinterkopf. Die aktuelle Lage am Immobilienmarkt, die Tatsache, dass das Grundstück bereits seit 1 1/4 Jahren ohne Erfolg zum Verkauf stand und last not least wir weit und breit die einzigen potentiellen Käufer sind machte uns zuversichtlich, dass wir auf dem besten Weg waren, hier günstig zu unserem Fleckchen Land zu kommen. Dass die Verkäufer davon nicht begeistert waren ist klar, aber die Aussicht auf einen Käufer nach all der Zeit ließ sie mitspielen. Dennoch standen die Verhandlungen mehrfach kurz vor dem Abbruch und als wir sie endlich dort hatten, wo wir sie haben wollten, meldeten die Baufirmen Bedenken an. Die Bedingungen vor Ort würden ein großes Risiko darstellen, unser Budget zu sprengen, ganz im Gegensatz zu einem anderen, deutlich flacheren Grundstück, das wir inzwischen entdeckt hatten, das uns allerdings bei weitem nicht so gut gefiel. Es wurde eine schwere Entscheidung zwischen dem Kopf (Geld) und dem Herz, in der wir uns nach einigen schlaflosen Nächten schweren Herzens für den Kopf entschieden und dem Makler eine Absage erteilten. Und das nur, um diese Entscheidung in der folgenden Woche bereits wieder zu bereuen, denn bei genauerer Betrachtung schienen die Risiken beherrschbar, während sich gleichzeitig die Nachteile am Alternativ-Grundstück häuften. Allen voran die geringe nutzbare Fläche, die in geringer Entfernung vorbeiführenden Hochspannungsleitungen, der vergleichsweise Mangel an Privatsphäre eingezwängt zwischen anderen Häusern und die Höhe, die den Heimweg von der Arbeit mit dem Fahrrad deutlich erschweren würden. Und da standen wir nun - so schlau wie am Anfang. Und schlimmer noch, mittlerweile gab es einen Mitbewerber für unseren anfänglichen Favoriten - 2 Wochen zuvor hätten wir einfach nur "Ja" sagen müssen. Unser Fehler war, dass wir uns blind nach der Meinung der Baufirmen gerichtet hatten, anstatt das unserer eigenen Meinung nach beste zu tun und den Druck auf die Baufirmen hinsichtlich der Ausführung etwas zu erhöhen. Aus diesem Fehler werden wir sicherlich lernen.
Schaut also auch nächstes mal wieder ein, wenn Ihr wissen wollt, ob
- wir den Mitbewerber für unser Lieblings-Grundstück ausstechen und einen guten Preis dafür erzielen können,
- wir darauf unser Traumhaus bauen können,
- es die Baufirmen schaffen, uns stattdessen mit einem Konzept fürs Alternativ-Grundstück so zu überzeugen, dass wir für dieses in Verhandlung treten.
- wir uns nach etwas völlig anderem umschauen müssen...