Die vergangenen 2 Monate waren in erster Linie geprägt von unserer im letzten Bericht angedrohten Haussuche, von der Suche nach neuen Objekten auf den einschlägigen Real Estate Webseiten und denen der diversen Immobilien-Agenturen und dem Besuch der allwöchentlichen Open Homes bis zum Herumstreiten mit teils arroganten, mehr oder weniger kompetenten und hilfsbereiten Agenten mit immer völlig überzogenen Preisvorstellungen.
Denn fast alle Immobilienverkäufe laufen in diesem Land über Agenten. Ein vergleichsweise fetter Markt wenn man bedenkt, das jeder Kiwi sein Haus statistisch alle 4-5 Jahre verkauft, bzw. kauft. Uns jedenfalls übermannte nach schätzungsweise um die 50 besichtigten Häusern - von denen manche diese Bezeichnung kaum verdienten - zunehmend der Frust über das dort Angebotene, denn das Thema Haus und wohnen ist eins der dunklen Kapitel in Neuseeland.
Bis vor wenigen Jahren waren Bauvorschriften eher dünn gesät und Standards so gut wie nicht vorhanden. Das änderte sich erst Anfang dieses Jahrzehnts aufgrund der unrühmlichen "Leaky Building" Phase, als in den neunziger Jahren neue "monolithische" Baustile in Mode kamen, die weitgehend auf traditionelle Dachüberhänge verzichteten und Balkone in die Struktur von Wänden und Decken integrierten. Als Folge drang Feuchtigkeit in die Wände ein und verursachte bei zehntausenden Häusern aus dieser Zeit Schäden in Millionenhöhe. Als Folge dessen wurden die Bauvorschriften hinsichtlich Qualitätsanforderungen und Bauweisen in mehreren Stufen stark verschärft. Als vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist nun seit vergangenem Jahr bei Neu- und Umbauten sogar Doppelverglasung bei Fenstern Pflicht - endlich!
Für uns war dies jedoch nur ein schwacher Trost, denn in unserer Preisklasse sind fast ausschließlich Häuser aus der Zeit von 1910 bis 1980 zu finden, für die diese Vorschriften noch nicht gelten. Das typische Haus aus dieser Zeit besticht - wenn man den Agenten glauben will - in erster Linie durch seinen Charakter, den polierten Holzfußboden, den sogenannten "Indoor-Outdoor Flow" aus dem großen Wohnzimmer direkt auf die noch größere Terrasse mit Blick aufs Meer, die Berge oder Ähnliches. Von heimeliger Wärme redet dagegen angesichts nicht vorhandener Wärmedämmung in den dünnen Holzwänden, Decken und Fußböden keiner, dafür wird der recht nasskalten Winter meist mit Holzöfen, Gasheizungen oder tragbaren elektrischen Heizkörpern und -Lüftern bekämpft. Offenbar nicht besonders erfolgreich, denn statistisch liegt die Durchschnittstemperaturen in neuseeländischen Häusern im Winter bei lediglich 16 Grad mit der Konsequenz vergleichsweise hoher Raten von Asthma und ähnlicher Krankheiten. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 18 Grad! Grund genug nun auch für die Regierung, ein großes Foerderprogramm für die Nachrüstung von Wärmedämmung und Wärmepumpen - das Nonplusultra auf dem Heizungsmarkt - zu starten. Uns jedoch konnte dieser Vorstoß nur wenig trösten, denn die Kosten für die Aufrüstung eines bestehenden Hauses zusätzlich zum Kaufpreis machen fast jedes Angebot unattraktiv, nicht zu reden vom Aufwand und der Aussicht, hierfür einige Wochen auf einer Baustelle zu leben.
Die Konsequenz dessen konnte daher eigentlich nur lauten: Wir bauen selber, nach neuestem Standard und mit allem, was wir als verwöhnte Deutsche von einem Haus, das diese Bezeichnung verdient, erwarten. Überraschenderweise scheinen die Kosten dafür sogar vergleichsweise niedriger zu sein, ganz zu schweigen von den individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Also fingen wir vor etwa 2 Wochen zaghaft an, uns nach Grundstücken in unserer bevorzugten Umgebung umzusehen. Auch das gestaltete sich anfangs schwierig, denn Wellington ist überwiegend hügelig und alles in Citynähe, was nur annähernd eben ist, ist bereits bebaut. Aus diesem Grund werden nun auch Grundstücke mit extremer Hanglage zu teils horrenden Preisen angeboten, die in Deutschland wahrscheinlich als unbebaubar gelten würden, und Häuser mit aufwändigen Stützenkonstruktionen daraufgesetzt. Eine wackelige Angelegenheit, wenn man zudem noch die permanente Erdbebengefährdung bedenkt.
Nach einigem Suchen fanden wir jedoch noch einige vergleichsweise "fast" bis ganz ebene Grundstücke, die sich sogar als bezahlbar entpuppten und auf die wir nun die Baufirmen unserer engeren Wahl zur Begutachtung und Angebotsabgabe angesetzt haben. Nach all den Rückschlägen der letzten Monate ist es fast beängstigend, wie rasant das Projekt nun auf einmal fortschreitet. Wenn alles planmäßig verläuft könnten wir bereits im Januar in unser eigenes Haus einziehen.
Angesichts dieser spannenden Entwicklung verblassen andere Ereignisse wie die Wetterkapriolen des letzten Wochenendes mit Hagel und dem ersten Schnee in Wellington seit 17 Jahren ebenso, wie die Fortsetzung unseres Maori-Kurses. Denn nachdem wir uns am Anfang des letzten Kurses vorkamen wie in Loriot's Jodelschule (Listen and repeat: "Holleriedudödeldi"), nahm die Sprache und deren Struktur im Laufe der Zeit langsam Form an und ergab einen Sinn, dem wir weiter nachgehen wollen auf der Suche nach dem "echten" Neuseeland.
Wir halten Euch auf dem Laufenden!