Mittlerweile ist es auch schon der April zu mehr als der Hälfte verstrichen und der Sommer unternimmt letzte, verzweifelte Versuche, sich gegen den nahenden Herbst zur Wehr zu setzen. Bislang erfolgreich, was uns bis auf die schon deutlich kühleren Nächte und die immer kürzer werdenden Tage noch einige sonnig-warme Tage bescherte. Auf einen solchen Tag hofften wir auch, als wir am ersten April-Wochenende zum letzten großen Radsport-Event der Saison aufbrachen, dem
GrapeRide in Blenheim auf der Südinsel.
Bluebridge, eine der beiden Fähranbieter zwischen Nord- und Südinsel hatte für Teilnehmer an dieser Veranstaltung einen sehr günstigen Sondertarif angeboten, dennoch waren wir überrascht, als wir uns Freitag mittags am Fährterminal einfanden und an beinahe an jedem dort wartenden Auto einen Träger mit mehreren Rennrädern sahen. 


Folglich stolperten wir an Bord alle Nase lang über bekannte Gesichter von unseren Trainingsfahrten und das Aussichtsdeck entwickelte sich bei strahlendem Sonnenschein in kürzester Zeit zu einer Radler-Party und Forum für Fachsimpelei. Es fehlte eigentlich nur noch der Grill. Für das Rennen am Folgetag selbst wollte Alex die Runde von 101 km durch das Weinanbaugebiet und den Queen Charlotte Drive entlang der Marlborough Sounds in Angriff nehmen, während sich Holger - wohl in einem vorübergehendem Zustand geistiger Verwirrung - für den "Leppin Magnum Ride" über 2 Runden, also 202km angemeldet hatte. Zwar ist diese Strecke "nur" 40km länger als eines der früheren Rennen, die Lake Taupo CycleChallenge, und deutlich weniger bergig, dafuer sollte der Start aus unerfindlichen Gründen jedoch schon zu unchristlicher Zeit um 6 Uhr morgens stattfinden. Das bedeutete Aufstehen um 4 (!) Uhr früh, um rechtzeitig zum obligatorischen Briefing um 5:45 am Start im Forrest Estate Weingut zu sein und Schlag 6 Uhr machte sich eine mehr oder weniger muntere Runde von rund 70 Fahrern, leuchtend und blinkend wie ein rasender Weihnachtsbaum, im Stockdunklen auf den langen Weg. Alex hatte es sich inzwischen schon wieder im warmen Auto mit einem guten Buch bequem gemacht, denn ihr Einsatz sollte erst 2 1/2 Stunden später erfolgen.
Als Holger mit seinen Mitstreitern eine gute Stunde später den Fährort Picton erreichte, ging gerade die Sonne auf und ließ das Wasser der Marlborough Sounds spektakulär in gleißendem Gold erstrahlen, vor dem sich die Silouetten der Hügelketten dunkel abhoben. Ein sagenhafter Anblick, den Holger aber angesichts der Anstrengungen leider nicht ausreichend zu würdigen vermochte. Dennoch machte das Tageslicht und die wärmende Sonne das Radeln deutlich leichter und die weitere Tour zu einem tollen Erlebnis, bis er nach 5:51 Stunden zeitlgleich mit der schnellsten Frau das Ziel erreichte. Zu diesem Zeitpunkt war Alex zusammen mit der Mehrheit der restlichen 3400 Starter noch auf dem Weg, genoss einerseits die landschaftliche schöne Fahrt bei bestem Wetter in vollen Zügen und ärgerte sich andererseits über manche der Radler, die die - für Wellingtoner Verhältnisse - kaum erwähnenswerten Hügel stark schwer keuchend und dermaßen schwankend heraufkrochen, so dass jedes Überholmanöver volle Konzentration erforderte. Am Ende verfehlte sie ihr Ziel einer Zeit von unter 4 Stunden mit 4:01 Stunden nur denkbar knapp, ließ sich aber von der anschließenden Massage darüber hinwegtrösten. 

Naturgemäß wurde dieser Abend nicht besonders lang und auch die Umstellung auf Winterzeit in dieser Nacht trug dazu bei, dass wir den fehlenden Schlaf der letzten Nacht in vollem Masse nachholen konnten, bevor es nach einem netten Brunch auf dem Weingut am folgenden Abend wieder mit der Fähre heimwärts ging.
Damit ist die Radsaison fürs erste zu ende und laesst uns mehr Zeit für unser neues "Hobby" nach bester neuseeländischer Tradition: Das "House Hunting". Typischerweise gilt es hierzulande als Grundlage der Altersvorsorge, bereits in jungen Jahren das erste Häuschen zu erwerben, durch diverse An- und Umbauten aufzuwerten und die so erschaffene Pracht mit Gewinn zu verkaufen, nur um damit ein größeres Haus zu kaufen und das Spiel wieder von neuem zu beginnen, bis man irgendwann einmal in einem Palast wohnt, den man bei Eintritt in den Ruhestand ebenfalls verkaufen kann, um anschliessend wieder in ein kleines aber feines Häuschen zu ziehen und vom Gewinn in saus und braus zu leben. Theoretisch jedenfalls. So erklärt sich auch der allgemeine Hang zum DIY (Do it yourself) und der hohe Anteil von Immobilienbesitzern. Was uns betrifft, liegt die Idee zum Hausbesitz weniger an derartigen genetischen Veranlagung, als vielmehr daran, dass man als Mieter so gut wie keine Rechte in den eigenen 4 Wänden hat. Tapezieren, streichen, oder eigene Lampen? Fehlanzeige. Wenn Dir der 30 Jahre alte Teppichboden nicht gefällt heißt es eben "Friss oder stirb"! Oftmals muss man schon den Vermieter fragen, wenn man nur einen Nagel in die Wand hauen will, um ein Bild aufzuhängen. Auf die Dauer ist dieser Zustand ebenso wenig haltbar wie die fehlenden Möglichkeiten, das eigene Zuhause mittels brauchbarer Heizung, Wärmedämmung und Doppelverglasung auch im Winter angenehm warm zu halten.
Da trifft es sich recht gut, dass aufgrund der weltwirtschaftlichen Situation sowohl die Darlehenszinsen als auch die - zuletzt arg überhitzten - Immobilienpreise deutlich gesunken sind. Und nachdem wir schon seit einigen Monaten die Angebote im Internet verfolgt hatten und uns über die Kriterien klargeworden sind, geht es nun in "Phase 2" darum, sich vor Ort bei Open Homes einen Eindruck zu verschaffen oder einfach mal von außen einen Blick auf das Objekt der Begierde und die Nachbarschaft zu werfen. Bislang war das Ergebnis eher niederschmetternd, das Haus stand entweder in falschen Gegend, war zu klein, zu alt, zu heruntergekommen, zu sehr dem allgegenwärtigen Wind ausgesetzt, hatte keine Garage oder war einfach...zu teuer. Wenn dann aber das richtige kommt, kann es schnell gehen: Die nötigen Reports vom Baugutachter und der Stadtverwaltung über Zustand des Hauses und ausstehende Genehmigungen und unbezahlten Raten können innerhalb von 14 Tagen eingeholt werden, während denen man mit dem Verkäufer verhandeln und mit der Bank die Finanzierung klären kann und. Anschließend müssen die Formalitäten vom Anwalt abgenickt werden, und die eigenen 4 Wände sind unter Dach und Fach - sprichwörtlich. Theoretisch zumindest. Wir werden sehen!