Ist schon einige Zeit her seit dem letzten Bericht und es hat sich auch einiges in der Zwischenzeit getan. Es fing Mitte Dezember an mit einem Open Air Konzert auf dem Weingut Alana Estate im etwa 50km entfernten Martinsborough, wo sich die große Prominenz in Person von Sheryl Crow und John Cougar ein Stelldichein gab. Als wir dort eintrafen war die Wiese schon brechend voll mit Fans von schätzungsweise 5 bis 75 Jahren und die Party in vollem Gange. Zum Glück hatte unser Skipper Sandy, der ebenfalls dort war, einen Platz für uns freigehalten und so entwickelte sich ein lustiges Picknick mit guter Musik, das mit fortlaufender Zeit nur von der alkoholbedingt nachlassenden Koordination einiger Umstehender gestört wurde. Nach Konzertende setzten wir die Party noch im Haus fort, das Sandy und einige Freunde für das Wochenende g

emietet hatten und es fiel trotz strahlendem Sonnenschein schon etwas schwer, sich am nächsten Morgen rechtzeitig zum Segeln einzufinden, doch es war der Mühe wert.
Bald darauf nahte der Tag, an dem Holger seinen Geburtstag anlässlich der großen "0" am Ende feiern wollte. Aufgrund der Lake Taupo CycleChallenge Ende November (siehe vorhergehender Bericht) und oben beschriebenem Konzert war die Terminplanung dafür reichlich durcheinander geraten, nun aber endlich, 2 Tage vor Weihnachten war es uns doch gelungen, eine stattliche Anzahl von Freunden und Nachbarn in unserem Hause zu versammeln. Leider war uns das Wetter nicht wohlgesonnen, denn im Gegensatz zu den vergangenen Wochen regnete und stürmte es fast ohne Unterbrechung, so dass die Party kurzerhand von der Terrasse in die eilends aufgeräumte Garage verlegten und den Grill notdürftig mit einer Plane gegen die Naturgewalten schützten. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, und im Gegensatz zu diversen eher kläglichen Versuchen in der Vergangenheit wurde dies unsere erste richtig gelungene Party im Kreise unseres stetig wachsenden Freundeskreises.
Dann stand Weihnachten vor der Tür und kreiste wie in den letzten Jahren auch vornehmlich ums Essen. Es begann mit einer Abendessen-Einladung bei unserem Vermieter an Weihnachten selbst und setzte sich mit mehreren Grillparties in den folgenden Tag fort. Wenigstens Alex konnte die so zugeführte Energie sinnvoll umsetzen, denn sie musste zwischen den Jahren arbeiten. Holger dagegen blieb nichts anderes übrig, als sich aufs Fahrrad zu schwingen oder durch die Gegend zu rennen.
Mitten in unseren gut gefüllten Terminkalender platzte dann auch noch eine Einladung zum Stock Car Racing in Timarua unweit von Wellington, wo Alex' Firma DHL eine Rennserie sponsert. Star dieser Serie ist ein gewisser
Steve Williams mit seinem Team Caddyshack, der hauptberuflich für einen gewissen Tiger Woods die Golfschläger schleppt und uns persönlich an der Rennstrecke begrüßte. Bei den Rennen selbst ging es recht ordentlich zur Sache, wenn die Wagen versuchten, zum einen nach einer bestimmten Rundezahl als erster die Ziellinie zu überqueren und andererseits die Konkurrenten mit gezielten Remplern von der Strecke zu schubsen. Manche wurde dabei das eine oder andere Mal nach allen Regeln der Kunst und ziemlich spektakulär buchstäblich auf die Hoerner genommen. Mit diesem letzten Highlight endete das Jahr und das neue begann mit einem verlängerten, und endlich einmal gemeinsamen, freien Wochenende, das wir in New Plymouth am Mt Taranaki mit Wandern und Radfahren - als Vorbereitung auf die Mt Taranaki Cycle Challenge 3 Wochen später verbringen wollten. Leider war der Wettergott damit nicht einverstanden, denn nachdem wir den Neujahrstag bei sonniger Hitze im Auto verbracht hatten begrüßten uns die beiden folgenden Morgen mit Regen wie aus Eimern und zwangen uns zum Improvisieren. So wurde aus der Tageswanderung hinauf zum Gipfel in 2500m Höhe eine Halbtagswanderung auf der anderen Seite des Berges, die witzigerweise in strahlendem Sonnenschein lag, während das schlechte Wetter vom Berg auf der anderen Seite

festgehalten wurde.

So wurde es doch noch ein schöner Tag. Genauso erging es unserer Radtour, die kurzfristig einer Tour im Auto über den nahegelegenen "Forgotten World Highway" durch seit über 100 Jahren verlassene Siedlungen mitten in der Wildnis bis zu einem Ort namens
Whangamomona weichen musste, der sich vor etwa 20 Jahren im Streit um eine neue Eingemeindung in einen neuen District und dem damit verbundenen Wechsel in eine andere Rugby-Spielklasse zur unabhängigen Republik erklärt hatte. Noch heute wird dort alle paar Jahre ein eigener Präsident "gewählt", unter anderem der Ziegenbock "Billy Gumboot the Goat", der die Wahl gewann, weil er alle gegnerischen Stimmen einfach auffraß
(mehr dazu hier).
Die erste Arbeitswoche im neuen Jahr ging mehr oder weniger gemächlich ins Land und gipfelte mit einem Tauchausflug in Meer-Reservat vor Kapiti Island. Trotz des mittlerweile angekommenen Sommers war das Wasser mit 16 Grad immer noch sehr frisch und auch bei weitem nicht so bunt und artenreich wie auf tropischen Korallenriffs, aber für hiesige Verhältnisse schon recht interessant und als ersten Tauchgang nach über einem Jahr schon mal wieder eine schöne Sache. Doch kaum wieder an Land saßen wir schon wieder im Auto und auf dem Weg nach Upper Hutt, wo ein mittelalterliches Turnier komplett mit Lanzenreiten und Schwertkampf stattfand. Die "Ritter" der Neuzeit sind allerdings keine Adligen im Kampf um Ansehen und die Hand der Jungfrau mehr, sondern offenbar Halbprofis, die von Turnier zu Turnier um die ganze Welt reisen und sich in voller Rüstung gegenseitig vom Pferd zu stoßen.

Nun ja, jedem das seine.

Alex jedenfalls hielt sich da mehr an andere Turniere, zum Beispiel den
Wellington Beachhandball Meisterschaften, bei denen sie mit ihrem Mixed-Team teilnahm (ohne Holger, der ja seine aktive Laufbahn beendet hatte). Begleitet und "sandgestrahlt" vom allgegenwärtigen Wind auf Wellington's Oriental Beach kämpften 14 Teams auf 3 Feldern unter den neugierigen Blicken der handballunerfahrenen Passanten um den Pokal. Alex' Team hielt sich gut belegte am Ende einen guten 2. Platz in der Mixed Division. Sie selbst wurde bei der anschließenden Party zur besten Torhüterin gekürt. Glückwunsch!



Kaum eine Woche später rief die nächste sportliche Herausforderung mit der
Taranaki CycleChallenge, einem Jedermanns-Rennen über 150km rund um den Mt Taranaki mit Start und Ziel in New Plymouth. Nachdem Alex im November bei Holger's Start um Lake Taupo (siehe letzter Bericht) noch zugeschaut hatte, war sie diesmal entschlossen, ihr eigenes Debüt im Rahmen eines Staffel-Teams mit Holger zu geben, bei dem jeder die Hälfte der Strecke, also 75km, bewältigen musste. So reisten wir am vorausgehenden Freitag direkt nach der Arbeit mit Sack, Pack und durchgecheckten, frisch bereiften und gut geölten Rädern an, checkten im Hostel ein, holten unsere Startunterlagen ab und bereiteten unsere kleine Pasta-Party, bevor es zum Kräftesammeln ins Bett ging. Dumm nur, dass hinter unserem Bungalow ein kleiner Bach vorbei floss, dessen lustiges Plätschern uns mehrfach in der Nacht zum Gang auf die Toilette zwang und der Erholung damit etwas abträglich war. Trotzdem fühlten wir uns am folgenden Morgen bereit radelten nach einer Schüssel Müsli und Kaffee zum Start, wo wir Holgers Kollegin Lynda und ihren Mann Peter trafen, die ebenfalls als 2er Team antraten. Und während Peter und Holger sich in die wartende Menge für den Start einreihten, machten sich Lynda und Alex im Auto auf den Weg zur Wechselzone auf halber Strecke. Unterwegs begegneten sie dem Feld der bereits früher gestarteten Lizenz-Radfahrern, von denen einige trotz sportlicher Geschwindigkeit das Rennen wohl eher locker nahmen und sich die Zeit beim Fahren mit Schwätzchen mit anderen Fahrern und SMS-Schreiben (!) vertrieben.

Derweil rollte Holger das Fahrerfeld von hinten auf und übergab das Staffelholz, bzw. den Chip für die Zeitmessung bei Idealbedingungen - Sonne, einer leichten Brise und Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad - nach knapp 2:10 Stunden und 75km weiter an Alex für die zweite Rennhälfte. Der Nervosität über ihr erstes Radrennen zum Trotz lief die Fahrt für Alex ebenfalls sehr gut, so dass sie nach sehr ordentlichen 4:58 Minuten (Gesamtzeit für Alex und Holger zusammen) auf die Zielgerade einbog und begleitet vom Applaus der Zuschauer über die Ziellinie sprintete und auf einen fantastischen 8. Platz unter den Mixed- Zweierteams.

Nachdem auch Lynda und Peter eingetroffen waren und bei der anschließenden Party auf dem Zielgelände den gröbsten Durst gestillt hatten feierten wir gemeinsam unseren Erfolg bei einem Abendessen in der Stadt New Plymouth und die Aussicht auf viele weitere derartige Veranstaltungen, bevor die Anstrengungen des Tages ihren Tribut forderten. In dieser Nacht schaffte es auch der plätschernde Bach nicht, uns vom Schlafen abzuhalten.